Da ist sie. Meine erste Woche ohne festen Job. Also streng genommen bin ich noch angestellt und habe gerade Urlaub – meinen letzten Arbeitstag am Computer hatte ich jedoch bereits. Jetzt geht es also los. Mein Jahr, in dem ich erleben, lernen und wachsen möchte. Und ich habe keine Zeit zu verlieren, denn meine Liste ist lang und ich möchte so viel Neues erleben, wie nur irgendwie möglich! Mitunter ganz oben steht: Bikepacking. Eine Reise mit dem Rad, wenig Gepäck und viel Naturerlebnis. Vielleicht zu zweit, wahrscheinlich jedoch alleine. Und da ich so etwas noch nie gemacht habe, muss ich natürlich erstmal in heimischen Gefilden üben: im Schwarzwald. 

In meiner ersten Woche dieses großen Abenteuers (“Ich habe meinen Job gekündigt”) schnappte ich mir also meine Outdoor-Freundin Flores, wir packten unsere Räder und begaben uns auf Erkundungstour durch den Süden des Schwarzwalds. Auf uns warteten idyllische Seen, steile Anstiege, weite Aussichten und aufregende Nächte im Wald. 

Die Route

Wir hatten uns absichtlich vorher keine genaue Route überlegt, sondern wollten uns treiben lassen. Da wir von unserem Wohnort Freiburg losfuhren und die Gegend ja sowieso ein bisschen kennen, wussten wir bereits ein paar Orte, an die wir zwar wollten, nicht aber, über welche Route wir dort hinfahren würden. Um möglichst selten aufs Handy schauen zu müssen, beschlossen wir, hauptsächlich nach beschilderten Radwegen zu fahren und immer wieder neu zu überlegen, wo es als nächstes hingehen sollte. Und diese Route ist daraus entstanden:

Tag 1:
Freiburg – Himmelreich – Rinken – Feldsee – Bärental – Windgfällweiher – Schluchsee – St. Blasien – Ibach
(Hier gibt es die komplette Route auf meinem komoot Profil.)

Tag 2:
Ibach – Todtmoos – Wehr – Lörrach – Rhein – Blauen – Badenweiler
(Die genaue Route gibts hier.)

Tag 3:
Badenweiler – Müllheim – Staufen – St. Ulrich – Geiersnest – Horben – Freiburg
(Und auch diese Etappe gibts als komplette Route auf komoot.) 

Eine schöne Runde also durch den südlichen Schwarzwald und abseits der touristischen Attraktionen wie Feldsee oder Schluchsee war auch echt wenig los. Wir ließen uns treiben, machten Pause an den Seen und am Rhein, kühlten uns im Wasser ab und genossen die Aussichten. Ohne Zeitdruck, am Abend an einem bestimmten Ort ankommen zu müssen, fuhren wir spontan mal rechts, mal links, je nachdem, wo es uns besser gefiel. Wir ließen uns treiben und folgten unserer Intuition. So funktioniert doch Bikepacking, oder!?

Neue und alte Erkenntnisse

Obwohl wir insgesamt nur 3 Tage und 2 Nächte unterwegs waren, habe ich doch wieder einiges gelernt. Manches davon wusste ich bereits und es hat sich nun weiter bestätigt, anderes ist mir neu. Hier kommen einige meiner Erkenntnisse:

  • Dunkelheit macht mir Angst. Das ist nichts Neues, ich weiß das schon lange. Als Kind hatte ich immer meine Zimmertür zum Flur offen gelassen, damit Licht reinscheint und auch heute schlafe ich noch am liebsten mit offenem Rolladen, um nicht im Stockfinsteren zu liegen. In der Dunkelheit kann ich plötzlich nicht mehr rational denken. Das kleinste Geräusch schreckt mich auf, ich habe Bilder im Kopf, die an Szenen aus dem letzten Sonntags-Tatort erinnern und ich bin unruhig und hoch aufmerksam. Ich fühle mich unwohl, mache mir Sorgen über die nichtigsten Dinge und kann nicht einschlafen. Die Vorstellung, alleine in einer solchen Situation zu sein, macht mir richtig Angst und ich war unfassbar froh, Flores bei mir zu haben, die mit Dunkelheit überhaupt kein Problem hat.  
  • Draußen bin ich ich selbst. Wenn ich Sportkleidung anhabe und in der Natur bin, fühle ich mich am allerwohlsten und weiß: das bin ich. Ich muss raus, ich muss in der Natur sein. Ich muss mich bewegen! Wir verbringen so viel Zeit in Gebäuden und Fahrzeugen, sitzen auf Stühlen, Sofas und Sitzen, gehen im Grunde von einer geschlossenen Box zur nächsten, um uns von einem Stuhl auf den nächsten zu setzen. Aber so bin ich nicht. Ich bin am glücklichsten, wenn ich mich draußen bewege, egal ob auf dem Rad oder zu Fuß.
  • In Gesellschaft ist es am schönsten. Wären diese drei Tage genauso schön gewesen, wenn ich alleine unterwegs gewesen wäre? Ich denke nicht. Mir ist mal wieder klar geworden, wie sehr ich es genieße, mit Menschen gemeinsam in der Natur zu sein. Sich besser kennenzulernen, während man in die Pedale tritt, über das Leben zu philosophieren und sich gemeinsam über den Klatschmohn am Wegesrand zu freuen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Natur auch alleine so genießen kann. Das möchte ich aber auf jeden Fall ausprobieren und für mich selbst feststellen.
  • Um glücklich zu sein, brauche ich nicht viel. Im Grunde reicht es mir vollkommen aus, draußen zu sein, Rad zu fahren oder zu wandern, die Natur zu genießen und schöne Gespräche zu führen. Ich hatte keinerlei Sehnsucht nach meinem Smartphone, nach einem Buch oder nach dem Laptop und genoss es vollkommen, im Hier und Jetzt zu sein. Bike, eat, sleep, repeat. So einfach ist das.
  • Bikepacking ist genial. An einem einzigen Tag kann man so weite Strecken zurücklegen kann und so viel sehen! Ich bin mir aber noch nicht ganz sicher, was der Sinn und Zweck des Ganzen ist. Radfahren um des Radfahrens Willen? Oder doch eher, um von A nach B zu kommen? Irgendwie war es schön, dass wir uns so treiben lassen haben, aber ich denke, wenn ich alleine unterwegs wäre, würde mich dieses Gefühl verunsichern, keinen Plan zu haben, keine Linie auf dem Radcomputer zu sehen, der ich hinterherfahre. Momentan fühlt es sich für mich an, als wäre mein Rad mit Packtaschen eher ein Transportmittel, um auch längere Strecken selbstständig und ohne Motor zu bewältigen. Zumindest, wenn ich alleine unterwegs bin. 
  • Gepolsterte Radhose oder nicht? Hach, ich bin noch immer unentschlossen. Vermutlich ist es ganz normal, nach ein paar Tagen im Sattel Druckstellen zu bekommen und Vaseline hilft schon mal ganz gut. Aber die ultimative Lösung für bequemes Sitzen hab ich noch nicht. 

Mein Bikepacking Setup

Die Tour war auch ein kleiner test für meine Ausrüstung, denn das Rad fahre ich nicht sehr häufig und die Bikepacking-Taschen sind ganz neu. Ich bin außerdem von Klickpedalen auf Flat Pedals umgestiegen, weil ich auf den letzten Touren mit Klickpedalen immer Knieschmerzen bekommen habe. 

  • Rad: Giant Revolt 
  • Bikepacking-Taschen: Lenkertasche (Schlafsack und Nachtkleidung), Rahmentasche (Snacks, Powerbank, Regenkleidung, Reparatur Kit und weiteres Kleinzeug), Satteltasche (Schlafsack, Zelt, Daunenjacke) und Oberrohrtasche (Sonnencreme, Handy, Geldbeutel) 
  • Flaschenhalter: zwei Flaschen im Rahmendreieck und eine am Unterrohr
  • Pedale: Flat Pedals (Crankborthers Stamp 7)
  • Sattel: ergonomischer Sattel (SQlab)

Fazit zum Bikepacking Setup:

  • Die Taschen sind richtig gut, super smart durchdacht und echt clever gemacht. Einziges Manko: Ich hatte zu wenig Platz für Snacks und Essen und auch meine Kamera ist nirgends mehr untergekommen. Ich benötige also dringend noch weitere Verstaumöglichkeiten und werde mir noch zwei Taschen für die Gabel zulegen. 
  • Flat Pedals taugen mir viel viel besser, als Klickpedale. Keine spontanen Schweißausbrüche mehr, wenn ich unerwartet anhalten muss oder die Ampel rot wird. Keine Knieschmerzen (juhuuu!) und noch dazu Schuhe, die sich auch gut zum Rumstapfen im Wald eignen, wenn ich mal nicht auf dem Rad sitze. 
  • Ich brauche eine besser Lösung für meine Trinkflaschen. Die Rahmentasch blockiert die beiden Trinkflaschen im Rahmen und ich komme nur mit viel Aufwand dran. Das ist nervig. Vielleicht hole ich mir noch eine Flaschenhalterung für den Lenker.
  • Irgendeine Lösung brauche ich noch für meine Kamera, die war nämlich dieses Mal leider nicht mit dabei, weil kein Platz mehr war 🙁

2 Comments

  1. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meinen Stem bags gemacht. Super gut erreichbar und auch für Snacks hervorragend geeignet.

    • Hi Frank, das ist ein super Tipp! Über Stem Bags hab ich auch schon nachgedacht. Ist halt nochmal eine extra Tasche am Lenker… Aber vielleicht probier ist das mal aus! Ans Wasser gut ranzukommen ist halt schon irgendwie essentiell 😉

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