Eine Kündigung ist ein großer Schritt, besonders, wenn man nicht direkt einen neuen Job im Anschluss hat und deshalb kündigt. Oftmals plagt man sich Wochen oder sogar Monate mit der endgültigen Entscheidung, ohne viele der Menschen im eigenen Umfeld miteinzubeziehen und ihnen davon zu erzählen. So ging es auch mir und in diesem Artikel geht es darum, dass die Reaktionen nach meiner Kündigung komplett anders ausfielen, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich hätte also meine Freunde und Verwandten schon viel früher einweihen können.

Der Entscheidungsprozess

Dass ich in meinem Job unglücklich war, wussten alle Menschen in meinem Umfeld: Freunde, Verwandte, mein Lebenspartner. Über Monate hatte ich natürlich immer wieder davon erzählt, dass mich meine Arbeit langweilte und ich das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten und nicht vorwärts zu kommen. Ich hatte jedoch den allerwenigsten konkret davon erzählt, dass ich mit dem Gedanken meiner Kündigung spiele. Irgendetwas hat mich davon abgehalten. Ich vermute, dass es die Angst davor war, komisch angeschaut zu werden und Gegenwind zu bekommen. In meinem Entscheidungsprozess nicht unterstützt zu werden, sondern zu hören zu bekommen, ich solle mich zusammenreißen und „das wird schon wieder“.

Ich behielt meine Gedanken also für mich und erzählte im Grunde nur vier Menschen von meiner akuten Lage: Meinem Freund, meinen Eltern und meiner Schwester. Bei diesen vier war ich mir sicher, dass sie mich unterstützen würden – egal was ich tue. Und so war es auch: Wir haben unzählige Gespräche geführt und sie haben mich immer wieder spüren lassen, dass sie für mich da sind und meine Entscheidung mittragen. Das gab mir ein wahnsinnig gutes Gefühl und half mir, meine Entscheidung zu treffen und auch dazu stehen. Es hilft, wenn die engsten Vertrauten einen in einer solchen Situation unterstützen, ja, sogar bestärken und „anstupsen“.

Das Gefühl nach der Kündigung

Direkt nach Absenden meiner Kündigung durchströmte mich ein Gefühl von Erleichterung. Tatsächlich war es mir wahnsinnig schwer gefallen, wirklich den Button „abschicken“ zu drücken – ich saß sicher 15 Minuten vor meinem Laptop und habe es nicht geschafft, die Email abzuschicken. Als ich es dann doch geschafft hatte, war ich einfach nur froh und erleichtert. Von einem Moment auf den anderen hatte ich das Gefühl, die Welt stehe mir nun offen und ich könne tun und lassen, was ICH wollte. Und dieses Gefühl ist seitdem nicht verschwunden. Auch, weil die Kündigung immer noch sehr gegenwärtig ist und ich nach und nach meiner erweiterten Familie und meinen Freunden davon erzählt habe. Bei manchen fiel es mir leicht – ich wusste, dass sie die Entscheidung gut finden würden. Bei anderen fiel es mir schwerer.

Die Reaktionen im Freundeskreis und in der Familie

Tatsächlich war unter meinen Freunden die Standardreaktion: „Waaaas, du hast gekündigt!? Wie cool ist das denn! Herzlichen Glückwunsch, das war genau die richtige Entscheidung!“ Eine solche Reaktion zu bekommen ist beflügelnd. Es fühlt sich jedes Mal aufs Neue wie eine Bestätigung an: „Ja Saskia, du hast die richtige Entscheidung getroffen.“ Ich weiß, dass ich meine Gefühle dazu nicht abhängig machen sollte von der Reaktion und der Meinung anderer, aber es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mir das nicht wichtig ist. Es ist einfach schön zu spüren, dass auch meine Freunde und meine Verwandten hinter mir und meiner Entscheidung stehen.

Meiner erweiterten Familie, insbesondere meinen Großeltern, von meiner Entscheidung der Kündigung zu erzählen, fiel mir irgendwie schwerer. Tatsächlich habe ich es mehrere Wochen hinausgezögert, bis ich es doch mal in einem Telefonat erzählt habe. Ich hatte Angst vor der Reaktion gehabt. Angst, auf Unverständnis zu treffen. Sorge, kritische Fragen beantworten zu müssen. Und ich wollte keine kritischen Fragen, die meine Entscheidung in Zweifel stellten. Der Würfel war gefallen und ich war glücklich damit. Kritische Fragen hätten mich zum Zweifeln gebracht, ob es doch die richtige Entscheidung war.

Als ich dann mit meinen Omas telefonierte – passierte: das Gegenteil dessen, was ich erwartet hatte. Beide gratulierten mir zu meiner Entscheidung und sagten, ich habe alles richtig gemacht. Sie freuten sich für mich und meine neue Freiheit, Abenteuer zu erleben und Neues auszuprobieren. Dass ich in meinem Job unglücklich gewesen war, hatten sie ja gewusst und offensichtlich konnten sie meine Kündigung bestens nachvollziehen und bestärkten mich. Zugegebenermaßen war ich ziemlich baff. Wie das eben ist, wenn die eigene Erwartung und die tatsächliche Reaktion nicht übereinstimmen. Ich war ziemlich überrascht. Positiv überrascht. Und auch ziemlich erleichtert. Erleichtert, keine kritischen Fragen beantworten zu müssen, sondern einfach nur das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass sie hinter mir stehen und meine Entscheidung nicht nur akzeptieren, sondern sogar vollauf unterstützen.

Meine Freunde und Familie wollen mein Bestes

Ich dachte mehrmals darüber nach, warum ich Angst gehabt hatte, meiner erweiterten Familie von meiner Kündigung zu erzählen. Ich denke, es hat damit zu tun, dass wir uns nur sehr selten sehen und dementsprechend meistens telefonisch Kontakt haben – und das schon seit vielen Jahren. In diesen Jahren habe ich mich weiterentwickelt und verändert, jedoch konnten meine Großeltern diese Veränderung nicht hautnah miterleben und ich habe deshalb manchmal immer noch das Gefühl, die kleine Saskia von damals zu sein, wenn ich zu Besuch bin. Ich hatte also Sorge, dass meine Großeltern in dieser Entscheidung die kleine Saskia von damals sehen und mir Ratschläge geben wollen, die nicht dem entsprechen, was ich hören wollte.

Aber ich hatte mich getäuscht. Sie hatten ganz anders reagiert, als ich das erwartet hatte. Und wenn ich so darüber nachdenke, ist das auch keine Überraschung: In einer guten Beziehung, sei es unter Freunden, in der Familie oder in der Partnerschaft, will man das Beste für den jeweils anderen. Man möchte, dass der andere glücklich ist. Klar, das setzt voraus, dass man grundsätzlich eine gute Beziehung zueinander hat, aber in einer idealen Welt ist es so, dass man seinen Nächsten das Beste wünscht. Und so ist es auch in meinem Freundeskreis und in meiner Familie. Wenn ich mit meiner Entscheidung glücklich bin, dann ist es mein Umfeld auch. Das hat sich ganz deutlich in den Reaktionen aller gezeigt. Und irgendwie ist das ja auch nicht verwunderlich. Wenn ich mich selbst betrachte, möchte ich ja auch, dass die Menschen in meinem Umfeld zufrieden und glücklich sind. Warum sollte es also anders herum nicht so sein? Im Nachhinein frage ich mich also wirklich, warum ich daran überhaupt jemals gezweifelt habe und warum es mir schwer fiel, manchen Leuten in meinem Umfeld von meiner Kündigung zu erzählen. Jetzt weiß ich: wenn ich glücklich bin, sind sie es auch.

4 Comments

  1. Liebe Saskia,
    Respekt für deine Entscheidung! Ich wünsche dir unendlich viele tolle Erfahrungen, Erkenntnisse, Abenteuer ….
    Ganz bestimmt schaue ich hier öfters vorbei, um an deinen Outdoor-Erlebnissen teilhaben zu können.

    Liebe Grüße,
    Sabine

    • Vielen Dank, liebe Sabine! Es hat mich ganz schön viel Überwindung gekostet und tatsächlich kommen schon ab und an negative Gedanken. Ich muss mich beschäftigen, dann geht es ganz gut!

  2. Hey Saskia, es leben das Abenteuer!
    Alles Gute für dein Explorer Jahr und alles was danach kommt 🙂

    Liebe Grüße Jule (Ex-Komoot Kollegin :))

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